Das alte Sofa...
Es war eindeutig das, was man einen Fehlkauf nennt...
Die Farbe passte so gar nicht zu unserer, doch eher konservativen Einrichtung, und
die Qualität ließ, bei genauerem Hinschauen, auch zu wünschen übrig.
Und dennoch liebten wir es heiß und innig – unser blaues Sofa...
Über zwanzig Jahre stand es, eingerahmt von einem Gummibaum und einem kleinen Beistelltisch, an der Wand gegenüber der Küchentür.
Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als wir dieses Sofa das erste Mal im Schaufenster eines Möbelhändlers sahen. Mein Mann und ich waren uns sofort einig,
wenn überhaupt ein Sofa, dann sollte es dieses sein.
Es hatte eine zart geschwungene Rückenlehne und eine bequeme Federkern- Polsterung. Das kräftige Blau, des samtig weichen Plüschbezuges, harmonierte wunderbar mit den Stiefmütterchen im Staudenbeet, nur zu unserem weinroten Wohnzimmerteppich passte es überhaupt nicht.
Trotzdem wurde dieses Sofa schnell zu unserem Lebensmittelpunkt.
Ich habe es geliebt, mich mit einem Buch in die Polster zu kuscheln und einfach die Welt um mich herum zu vergessen. Seit dem dieses Möbelstück zu unserer Familie gehörte, wurde bei uns der gute, alte Mittagsschlaf wieder eingeführt. Oft mussten mein Mann und ich uns erst einmal einigen, wer denn nun zuerst sein müdes Haupt auf unser Sofa betten durfte. Gewonnen habe meistens ich...
Später, als unsere Tochter das blaue Sofa für sich beanspruchte, um ihre Lieblingssendungen im Fernsehen zu schauen, kauften wir notwendigerweise noch einen Sessel dazu. Er passte mit seinen vornehmen, sandfarbenen Kissen hervorragend zum Teppich und brachte eine gewisse Eleganz in unser Wohnzimmer.
„Der Sessel wertet den Raum optisch ungemein auf...“, sagte mein Mann und strich über den zarten Flaum des Stoffes.
Der Sessel wurde zum Blickpunkt des Zimmers. Und dennoch...
Was soll ich sagen, ich weiß nicht woran es lag – aber dieser Sessel wurde von unserer Familie nie akzeptiert. Einsam und verlassen stand er in der Zimmerecke und schaute neidisch auf unser blaues Sofa.
Zum Einsatz kam dieser Sessel eigentlich nur, wenn sich Besuch ansagte und
wir zusätzliche Sitzmöglichkeiten benötigten.
Im Laufe der Jahre wurden viele Möbelstücke unserer Wohnung ausgetauscht oder
aus unserem Leben verbannt. Auch der sandfarbene Sessel fand einen neuen Besitzer. Das blaue Sofa aber blieb...
Es zog mit uns in eine größere Wohnung, erlebte die ersten Flirtversuche unserer Tochter und diente vorübergehend als Schlafstätte für Feriengäste.
So blieb es nicht aus, dass sich nach einiger Zeit die ersten Gebrauchsspuren auf den blauen Polstern zeigten, und irgendwann entdeckten wir das erste Loch im Bezugsstoff.
„Wir kaufen ein neues Sofa...“, sagte mein Mann entschlossen.
Heute steht ein neues, blaues Sofa in unserem Wohnzimmer. Die Farbe passt wunderbar zu den Stiefmütterchen im Staudenbeet, harmoniert aber so gar nicht mit unserem Teppich...
Leseprobe aus "Fledermaus und Krötenbrei..."
Die kleine Hexe Trixi klettert müde aus ihrem Bett. Sie hat nicht gut
geschlafen und freut sich nun auf ihr Frühstück. Doch oh weh, der
Schrank ist leer. Nicht einmal ein trockenes
Stück Brot befindet sich darin. Trixi hat vergessen einzukaufen. Aber
eine richtige Hexe weiß sich zu helfen.
Sie schließt die Augen, nickt einmal mit dem Kopf und sagt:
"Hex hex, ich will nicht lange suchen und hex mir einen Kuchen."
Doch als sie die Augen wieder öffnet sitzt eine große, schwarze Krähe
auf dem Tisch und sieht Trixi böse an. Die kleine Hexe denkt
angestrengt nach. Wenn ihr doch nur der richtige
Zauberspruch einfallen würde. Sie versucht es noch einmal.
"Hex hex, Krötenbrei und Fledermaus, ich such mir einen Kuchen aus."
Wieder öffnet Trixi vorsichtig ihre Augen und erschrickt. Die schwarze
Krähe ist verschwunden, aber auf ihrem Teller sitzt nun ein dicker,
grüner Frosch mit einer Krone auf dem Kopf.
"Wer bist du, und was machst du auf meinem Teller?" Trixi stupst den grünen Gesellen an die Nase.
Der Frosch sieht die kleine Hexe mit großen Augen an und springt dann
mit einem Satz aus dem Fenster. Trixi starrt auf den leeren Teller und
überlegt. Einmal will sie es noch
versuchen.
"Hex hex, Schlangenhaut und Spinnenbein, ein Kuchen soll es sein."
Neugierig öffnet Trixi die Augen und sieht zum Tisch hinüber.
Überrascht lässt sie sich auf den Stuhl fallen und lacht. Auf dem
Frühstückstisch steht ein riesengroßer
Schokoladenkuchen mit vielen bunten Zuckerperlen verziert und einem
großen Klecks Sahne in der Mitte.
Hungrig nimmt die kleine Hexe ein Stück von dem leckeren Kuchen und beißt herzhaft hinein.
Aber das Zaubern muss die kleine Hexe noch üben...